VIELLEICHT ABER BRAUCHT GOTT DIE SEHNSUCHT

Vielleicht aber braucht Gott die Sehnsucht,

wo sollte sonst

sie auch bleiben,

Sie, die mit Küssen und Tränen und Seufzern füllt die

geheimnisvollen Räume der Luft-


Vielleicht ist sie das unsichtbare Erdreich,

daraus die glühenden

Wurzeln der Sterne treiben-

Und die Strahlenstimme über die Felder der Trennung, die zum

Wiedersehn ruft?


O mein Geliebter, vielleicht hat unsere Liebe in den Himmel

der Sehnsucht schon Welten geboren-

Wie unser Atemzug, ein-und aus, baut eine Wiege für Leben

und Tod?


Sandkörner wir beide, dunkel vor Abschied, und in das goldene

Geheimnis der Geburten verloren,

Und vielleicht schon von kommenden Sternen, Monden und

Sonnen umloht.


- Nelly Sachs -

Anmerkung:

Alles beginnt mit der Sehnsucht. Immer ist im Herzen Raum für mehr, für Schöneres, für Größeres. Das ist des Menschen Größe und Not: Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe. (N.Sachs)


VIELLEICHT ABER BRAUCHT GOTT DIE SEHNSUCHT

- Nelly Sachs -


Rezitation: Claudia Mischke



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