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  • Alexander Kästel

PRESSEFREIHEIT IN GEFAHR?

Wie Teilnehmende der pro-palästinensischen Demonstration mir verboten haben, meine Arbeit zu machen. Wie die Polizei dabei zusieht und mir nicht hilft, die fundamentalen Rechte der Pressefreiheit zu wahren, sondern mir einen Platzverweis ausspricht.


"Passen Sie auf, Sie strapazieren das ganze Verfahren“.

Zitat eines Beamten- Gedächtnisprotokoll



Demoleitung auf dem Lautsprecherfahrzeig auf dem Alten Meßplatz, Mannheim

Bekannt u.a. aus dem Beitrag von _frontal (ZDF) als Redner in Berlin. Link zu dem Video, am ende des Beitrags.

"Der Terror gegen Israel wird verharmlost und die Hamas beschönigt." Zitat aus dem Video: "Die Hamas wird verboten und keiner weiß wieso. Keiner weiß, kann nachvollziehen wieso". Quelle: _frontal (ZDF), YouTube


Für Medien und Polizei ist es vorteilhaft, dass die Polizei über Presse- und Informationsstellen (auch vor Ort) den direkten Kontakt zu den Medien herstellt und aufrechterhält.

Quelle: Presserat - Verhaltensgrundsätze für Medien und Polizei


Dies fand zu keiner Minute seitens der Polizei statt. Ich hingegen meldete mich vielfach, deutlich und in Nöten bei den abseits der Demonstration stehenden Beamt*innen.


Bei entsprechender Einsatzlage sind Sicherheitskonzepte zu schaffen, die den persönlichen Schutz der Medienschaffenden vor Bedrohung und körperlichen Angriffen gewährleisten, die freie Berichterstattung sichern und zugleich die Bewegungsfreiheit von Medienschaffenden garantieren.

Quelle: Presserat - Verhaltensgrundsätze für Medien und Polizei


Dies fand ebenfalls nicht statt:

Im Gegenteil, ich wurde mehrfach von den Beamt*innen gebeten, Abstand zu halten. Ich könne doch auch von hier fotografieren, wurde mir gesagt. Gefühlt 150 Meter von der Demonstration entfernt. Ich hätte ja ein tolles Zoomobjektiv, wurde mir gesagt. Darauf antwortete ich: Das ist kein Zoomobjektiv, ich arbeite mit einer Festbrennweite. Die Antwort:


„Ach, erzählen Sie nicht.“

Zitat eines Beamten- Gedächtnisprotokoll



Ein Redner jüdischen Glaubens, so die Ansage, am Mikrofon



Selbst nachdem ich von den Ordner*innen, vor den Augen von drei Beamten immer wieder genötigt und bedrängt wurde, umringt und permanent von Handys gefilmt wurde, wurde mir nicht geholfen. Als ich die Beamten aufmerksam machte, dass ich schon wieder gehindert werde, meine Arbeit zu tun, kam die Antwort:


„Wir sind gerade beschäftigt.”

Zitat eines Beamten- Gedächtnisprotokoll



Diese Antwort bekam ich und meine Kolleg*innen an diesem Tag noch mehrfach.


Ich falle auf, keine Frage. Meine blauen Haare hätte ich mir extra für den Tag blau gefärbt - die Farbe erinnert wohl in Teilen an die israelische Flagge - wurde mir von einem Ordner der Demo vorgeworfen. Ich hätte schon einmal hetzerisch über diese Demo berichtet und Lügen verbreitet, fuhr er fort.

Link dazu am Ende des Textes.


 

Ich kenne meine Rechte, ich wahre und achte die Würde und die Rechte aller Menschen bei meiner Arbeit und auch privat. Ich diskriminiere niemanden und schließe niemanden aus. Ich möchte nur offen berichten dürfen, was in unserer Stadt passiert und wie es abläuft, wie ich mich dabei fühle.


Demonstrationsteillehmende auf dem Alten Meßplatz

Demonstrationsteillehmende auf dem Alten Meßplatz



Als die Demoleitung und auch einige aus dem Ordner*innen-Team den drei Beamten und mir laut, immer wieder zuriefen, dass ich die Demo nicht fotografieren darf, herrschte Totenstille bei den Beamten. Ich fragte sie, warum sie da nicht widersprechen. Das Presserecht besagt exakt das Gegenteil. Die Polizei ist unter anderem da, sicherzustellen, dass auch das Recht der Presse eingehalten und durchgesetzt wird. Als ich meine Frage wiederholte, bekam ich die Antwort:


„Sollen wir mit dem Knüppel da rein und sie frei kämpfen?“

Zitat eines Beamten- Gedächtnisprotokoll



Selbst nachdem die Demoleitung über Lautsprecher gegen mich - als Presse-Clown - aufrief, stand mir keine einzige Person der Polizei nahe oder machte sich um mich und meine Sicherheit Gedanken, die sie mir gegenüber auch äußerten. Ich sprach noch mit weiteren Beamt*innen. Einige davon schienen interessiert zu sein und verstanden mich und mein Anliegen. Das sind Methoden, die seit langer Zeit auch schon von anderen Gruppen genutzt werden, um nichtsagbare Aussagen immer wieder gezielt zu setzen. So werden Narrative geschaffen, je mehr sie wiederholt werden, desto stärker werden sie. Nun wurde eine solche Falschaussage nicht mal von drei Beamten widersprochen an die sie unmittelbar gerichtet wurde. So etwas wird von denen, die dies tun, immer als Triumph und als Sieg gefeiert und weitergetragen. Was lernen Menschen daraus, die mit so etwas, vor den Augen und Ohren der Staatsgewalt ohne Konsequenzen auftreten? Damit verschiebt sich der Diskurs immer weiter, unsere offene Gesellschaft erodiert immer weiter. Das kann nicht in ihrem Interesse sein, auch nicht, wenn sie als Mensch und Bürger*in davon betroffen sind", sagte ich.

Nachdenkliche Mienen, die ich als Zustimmung, wenigstens als Verständnis meiner Sorgen deutete, wurden abrupt durch einen anderen Beamten abgetan und unterbunden.

"Ich möchte, dass ein Anti-Konflikt-Team meine Arbeit sichert, mich gegebenenfalls begleitet, wie es die Polizei schon auf anderen Veranstaltungen für mich in guter Zusammenarbeit getan hat. " Die Antwort:


„Wir sind nicht das Anti-Konflikt-Team und das ist heute auch nicht da.“

Zitat eines Beamten- Gedächtnisprotokoll



Die Abwesenheit des Anti-Konflikt-Teams ist erstaunlich und erschreckend zugleich. Bei einer genehmigten Demonstration mit 1500 angemeldeten Teilnehmer*innen mit einer Demoroute, direkt um den Paradeplatz herum. Wo zeitgleich ein Infostand und eine angemeldete Demonstration der Deutsch-Israelischen Gesellschaft stattfand, die beim Vorbeizug der pro-palästinensischen Demonstration nicht nur lauthals niedergeschrien wurden, sondern auch mit zwei Wurfgeschossen – mit Flüssigkeit gefüllte 0,5 Liter Dosen – über die Polizeiabsperrung hinweg beworfen wurde.

Laufende Demonstration in Richtung Marktplatz Mannheim

Laufende Demonstration am Marktplatz Mannheim

Laufende Demonstration am Marktplatz Mannheim

Laufende Demonstration am Marktplatz Mannheim

Laufende Demonstration am Marktplatz Mannheim



Liebe demokratische Stadtgesellschaft,

wir haben ein Problem. Sehen diese Aufnahmen aus, als würde ich hetzerisch berichten? Klingt mein Text so, als würde er alle Teilnehmenden auf der Demo verunglimpfen und verurteilen? Ich denke nicht. Die Polizei kennt mich und meine Berichterstattung seit Jahren. Ich bin nicht unabhängig - ich bin ein emotionales Wesen. Ich bin mehr am Menschen interessiert, als an großartigen Massenaufnahmen, die es zu Hunderten gibt - zeitgleich, live und ungefiltert. Mich interessiert eher weniger die Anzahl der Demonstrierenden, noch exakte Wegpunkte, Backgrundchecks zu Redner*innen. Ich nehme alles vor Ort erst auf und bilde mir immer vor Ort - unvoreingenommen - mein eigenes Bild. Ich berichte anders als andere. Deswegen bin ich auch kein Journalist im klassischen Stil, sondern ich sehe die Welt einfach nur mit meinen eigen Augen, mit meinem Herzen und mit meiner Liebe, den Menschen gegenüber.


Getreu meinem Motto: A GOOD POET USES THE PEN AS A TOOL FOR HIS MIND, A GOOD PHOTOGRAPHER USES THE CAMERA AS THE EYE OF HIS HEART

Judith Urmes

Hass und Bedrohung, die ich dabei erlebe, reiben mich, wie viele andere auch auf. Aber das darf ich nicht zulassen. Ich kann das aushalten. Ich muss es aushalten. Da mir polizeilich ein Platzverweis ausgesprochen wurde und ich 100 Meter von der Demonstration Abstand halten musste, konnte ich die Vorfälle am Paradeplatz nicht dokumentieren. Eine Nachtberichterstattung über die zeitgleiche Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, folgt die Tage.   Vielen Dank, für eure Aufmerksamkeit. Alexander Kästel HIER DER LINK zu Facebook - zu meiner Reportage vom 12. November 2023 in Mannheim HIER DER LINK zu Instagram





Sehenswerter Beitrag von _frontal (ZDF) auf YouTube: Unter anderem mit einem der Redner aus Berlin.




Noch etwas in eigener Sache

Meine freie Arbeit hier in Mannheim, die ich nichtkommerziell betreibe, erfährt seit Jahren mehr und mehr Risiken für mich, für meine Gesundheit und mein Equipment. Auch fordert sie immer mehr Zeit und mehr Kosten, die ich langsam nicht mehr in dem Maße vorhalten kann. Als Fotograf dieser Stadt, der gewillt ist, die Geschichte zu dokumentieren und auch an die Stellen weiterzugeben, die sie dann bewahren sollen, bin ich gewillt, mich weiterhin dafür einzusetzen und meine Zeit dafür aufzubringen. Auf meiner Webseite kann man mich unterstützen. Das hilft mir wirklich sehr, Kosten für Reparaturen – und es gab schon drei Schäden bei meinen ehrenamtlichen Einsätzen – wenigstens in Teilen zu decken. Notwendige Versicherungen wurden dadurch erheblich teurer, Serverkosten steigen. Wer es sich leisten kann, darf geben. Ich bin großer Fan von gelebter Umverteilung und sozialer Gerechtigkeit.

Danke.

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