28. AUG 2021 MANNHEIM

VERKEHRSVERSUCH

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UNS STINKTS! VERKEHRSVERSUCH JETZT!
 

DEMONSTRATION ZUM VERKEHRSVERSUCH

28. AUGUST 2021 Mannheim Innenstadt
 

Erneut wurde der Verkehrsversuch, zur Entlastung der Menschen in der Innenstadt vom Durchgangsverkehr verschoben. Das ist für verschiedene Gruppen, die sich für eine lebenswertere Innenstadt einsetzen, nicht mehr hinnehmbar.

Es demonstrierten circa 50 Teilnehmer*innen von QuadRadEntscheid, Extinction Rebellion und der Critical sowie Kidical Mass Mannheim mit einer gemeinsamen Radfahrt vom Paradeplatz zu Q6Q7 auf die Fressgasse. Mit einer Demonstration und einem sogenannten „Swarming“ - wurde dann mit kreativen Mitteln die Straße besetzt.

Anschließend fand eine spontane Critical Mass statt. Die Tour fuhr unter anderem besonders schlecht ausgebaute und scheinbar vom Ordnungsamt unbekannte Straßen der  Mannheimer Innenstadt ab, wo Radfahrende ständig gefährdet und leider auch immer wieder von Autofahrenden getötet und schwer verletzt werden.

Ich lebe selber in der Innenstadt. Der Verkehr wird immer mehr und immer rücksichtsloser. So kann und darf das nicht weitergehen.

 

Aber auch positives gibt es zu berichten. Als die Straße offensichtlich Autofrei blieb - dauerte es keine 5 Minuten und die Menschen begannen, sie für sich zu nutzen. Für Gespräche, zum Ausweichen der überfüllten und teils zugestellten Gehwege, zwei Skater freuten sich mit ihren Boards über die kurze Freiheit und rasche Fahrt mitten auf der Fahrbahn. Kinder tanzen und malten mit Kreide die grauen Straßen an, Menschen applaudierten spontan und sprachen uns Mut zu.

Alles Gute, 
Alex

Diese Galerie hat 97 Bilder. 
FOTOS: ALEXANDER KÄSTEL

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Hallo liebe Menschen,

wir vom Quadratentscheid freuen uns sehr, dass Ihr heut alle zur Unterstützung hier seid. Ich sehe Radfahrer*innen, Fußgänger*innen und bestimmt auch den ein oder die andere Autofahrer*in. Und das ist gut so, denn worum es geht, das können wir nur gemeinsam lösen.

 

Wir sind heute hier, um in aller erster Linie unsere Zukunft zu gestalten und einen Teil dazu beizutragen, unsere Welt klimafreundlicher zu machen. Das bedeutet nun mal insbesondere in den Städten und auf dem Land auf das Auto als Fortbewegungsmittel zu verzichten. Was sich trotz Umweltverschmutzung, Rohstoffknappheit und Erderwärumung auf dem Automobilmarkt entwickelt hat, ist für uns und unsere Kinder nicht tragbar. Insbesondere die  Stadt Mannheim ist ein Paradebeispiel für eine Stadtplanung, die kurzsichtig ist:

 

Was die versprochene Sperrung der Fressgasse und der Kunststraße angeht, die diese Woche hätte starten sollen nun aber wieder verschoben worden ist, aufgrund der Sperrung des Fahrlachtunnels, zeigt doch nur, wie hilflos die Politik ist. Die Autofahrer*innen werden eben nicht dazu aufgefordert, auf die öffentlichen Verkehrsmitteln umzusteigen. Nein, es werden wieder diejenigen benachteiligt, die sich auf diese Sperrung und damit auf die Ruhe, auf weniger stinkende Abgase und weniger Feinstaub einfach nur gefreut haben. Und mal ganz ehrlich, in kaum einer anderen Straße ist es so offensichtlich wie in der Fressgasse: Sitzt man in der Fressgasse draußen beim Essen, dann wird dieses Essen erstmal mit Feinstaub von den Autos garniert. Wollen wir das ?

 

Wer kennt sie nicht, die Kolonnen an Autos die tagtäglich durch die Fressgasse und die Kunststrasse und die Innenstadt, eigentlich durch die ganze Stadt rollen? Autos die meistens nur mit einer Person besetzt sind. Autos die Abgase verbreiten und damit einen Gestank, den man dann förmlich schmecken kann. Das ist nicht nur in der Fressgasse so, das ist auch in der Kunststrasse und in der ganzen Stadt so und damit sind nicht nur die Quadrate gemeint.

 

Das ist jedoch nicht das einzige. Auch der Krach der tagtäglich durch die Stadt hallt von  immer größeren Autos und ihren lauten Motoren. Dann die Huperei, wenns mal wieder nicht schnell genug geht. Wollen wir das ?

 

Aber auch das ist noch nicht alles. Es fehlt einfach an gegenseitiger Rücksichtnahme. Wer einmal mit dem Rad durch Mannheim gefahren ist, weiß dass die roten Kennzeichnungen auf den Radwegen nicht verhindern, dass die Autofahrer diese Wege für sich beanspruchen. Da werden Wege zugeparkt, was dazu führt, dass Radfahrer*innen ausweichen müssen. Dies führt wiederum zu lebensgefährlichen  Konflikten mit anderen Autofahrer*innen oder Fußgänger*innen und es stellt sich schon die Frage, wie rücksichtslos da gefahren und mit dieser Problematik der Verkehrstoten seit Jahren umgegangen wird. ( ). Was die Radwege angeht, dabei muss man  auch berücksichtigen, dass es hier nicht nur um Radwege für Erwachsene geht, sondern dass diese auch von Kindern befahren werden. So wie die Situation aber im Moment ist, welche Eltern lassen ihre Kinder in Mannheim  radfahren ? Wollen wir das , wenn es sogar für uns Erwachsene lebensgefährlich geworden ist?

Die Verantwortlichen der Stadt Mannheim haben wahrlich viel getan, wenn es um den Ausbau der Radwege geht, aber jeder der regelmäßig Fahrrad fährt, sieht dass es nicht ausreicht hier und da einige Radwege rot anzustreichen. Auch die Situation in den Einbahnstraßen gestaltet sich gefährlich, was nicht zuletzt an den beidseitig parkenden Autos liegt, sondern auch daran, dass für die Radfahrer*innen  zu wenig Platz eingeplant ist. Da stellt sich auch die Frage, warum das so ist.

 

Wir vom Quadratentscheid haben eine Liste mit Forderungen erstellt, die wir an die Stadt herantragen wollen, um in letzter Konsequenz, wenn sich nichts tut, ein Bürgerbegehren auf die Beine zu stellen und da darf die Stadt beruhigt sein: Radfahrer*innen gibt es in Mannheim genug!

 

Wir fordern einen massiven Ausbau der Infrastruktur für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen sowie eine dauerhafte Reduktion des motorisierten Individualverkehrs. Dazu wäre ein für alle am Verkehr beteiligten – auch für Radfahrer*innen  und ihre Kinder – sicheres Hauptradroutennetz notwendig, dass alle Stadtteile untereinander und mit der Innenstadt verbindet. Wichtig ist uns hierbei, dass eben nicht die restlichen verbleibenden Fußverkehr- und Grünflächen geopfert werden, sondern Autoparkplätze und KFZ-Spuren umgewidmet werden.

 

Es fehlt an einem Mindeststandard und ebenso der Wartung von Rad- und Fußwegen, so dass auch Familien und ihre Kinder sicher darauf fahren können.

Was die Situation an Kreuzungen im Stadtgebiet angeht, gilt auch da: diese müssen sicher für alle Verkehrsteilnehmer*innen ausgebaut werden, so dass Radfahrer*innen nicht im toten Winkel der Autos starten müssen an einer Ampel.

 

Wir alle und ich denke, da spreche ich für alle Bürger*innen der Stadt Mannheim und vielleicht auf für die Pendler*innen: Wir alle wollen verkehrsberuhigte Stadtquartiere. In allen Stadtteilen kann der Lärm dadurch eingedämmt werden, dass verkehrsberuhigte Bereiche angelegt werden. Und da reichen ein paar Parkplätze pro Straße bei weitem nun mal nicht aus. Die Sperrung von Fressgasse und Kunststrasse hätte die Möglichkeit geboten, dies mal in großem Stil auszuprobieren und wir sind uns sicher, dass keiner mehr die Öffnung dieser Straßen für Autos gewollt hätte. Es wird die Qualität des Aufenthalts in diesen Straßen erhöhen und zwar für alle, die dort wohnen, dort einkaufen oder dort essen wollen.

 

Mit einer erhöhten Anzahl an Radfahrer*innen wird die Verkehrswende funktionieren können. Weitere Umgestaltungen, wie mehr Fahrradstellplätze, Anwohnerparkplätze in den Parkhäusern der Innenstadt bis hin zum Mobilitätspass,... es gibt so viele Lösungsmöglichkeiten für ein gemeinsames Angehen der Klimakrise und  einer klimaneutralen Zukunft als Stadtbewohner*in. Aber dies klappt nicht, wenn alles so weiter geht wie bisher und bisher ging es sehr oft zugunsten der Autoindustrie. Wenn wir das gemeinsam angehen wollen und einsehen, dass jeder seinen Teil dazu beitragen kann, dass auch Mannheim eine fahrradfreundliche Stadt werden kann, dann geht das nur, wenn  die politisch Verantwortlichen sich auch so verhalten und Möglichkeiten schaffen, dass Mannheim für Radfahrer*innen und umweltbewusste Menschen attraktiv bleibt. Und ich hoffe, dass ist etwas, was wir alle wollen.

 

Wenn Ihr mehr zum Quadratentscheid wissen wollt, dann wendet euch an uns. Wir sind im Internet bei Facebook, Twitter und Instagram erreichbar. Ihr könnt euch hier an uns wenden. (QEM B.K.)

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