WENN DIE UHREN SO NAH WIE IM EIGENEN HERZEN SCHLAGEN

Wenn die Uhren so nah

wie im eigenen Herzen schlagen,

und die Dinge mit zagen

Stimmen sich fragen:

Bist du da? - :


Dann bin ich nicht der, der am Morgen erwacht,

einen Namen schenkt mir die Nacht,

den keiner, den ich am Tage sprach,

ohne tiefes Fürchten erführe -


Jede Türe

in mir gibt nach...


Und da weiß ich, dass nicht vergeht,

keine Geste und kein Gebet

(dazu sind die Dinge zu schwer) -

meine ganze Kindheit steht

immer um mich her.

Niemals bin ich allein.

Viele, die vor mir lebten

und fort von mir strebten,

webten,

webten

an meinem Sein.


Und setz ich mich zu dir her

und sage dir leise: Ich litt -

hörst du?


Wer weiß wer

murmelt es mit.


- Rainer Maria Rilke -

WENN DIE UHREN SO NAH WIE IM EIGENEN HERZEN SCHLAGEN

- Rainer Maria Rilke -


Rezitation: Reiner Unglaub

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