MEINE ENGEL

Meine Engel brauchen keine Flügel,

um mich zu erstaunen,

keinen Glanz,

der mich erschreckt,

behutsam stellen sie mich auf die Füße,

halten mich,

bei meinen ersten Schritten in das Tageslicht,

meine Engel sind weiblich oder männlich,

sie brauchen keine Harfen,

um mich zu wecken,

keine Vollkommenheit,

die mich verwirrt,

manchmal pfeifen sie kess

oder trällern die neuesten Schlager,

sie necken übermütig meine Gespenster,

scherzen mit meinem Schatten,

meine Engel verwandeln mein dunkles Schweigen

in ein Lachen,

füttern mich mit Hoffnung,

ihre Hände trösten den geschundenen Körper,

zähmen seinen Schmerz,

meine Engel verteidigen mich,

halten Wache,

auch in dieser Nacht…

- Mario Wirz -

Anmerkung: „Es ist Nacht, und vor meinem Fenster fallen dicke Flocken. Die Heizung tuckert vor sich hin, und das ist kein feindliches Geräusch in der Stille meines Zimmers. Ich sitze auf dem Sofa, und ich lebe. Noch ist die Krankheit nicht ausgebrochen. Der Viruswolf heult durch mein Blut, aber noch hat er nicht zum Sprung angesetzt.“ (M.Wirz) MEINE ENGEL

- Mario Wirz -


Rezitation von: Nina Petri

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